Wettbewerbsbahnen steigern erneut ihren Marktanteil und warnen die Bundesregierung vor Aufgabe des Ziels der Verkehrsverlagerung

05.03.2016

"Die Erfolgsgeschichte der Wettbewerbsbahnen geht weiter!" kommentierte Ludolf Kerkeling, Vorstandsvorsitzender des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE) e.V. die Entwicklung, dass die Wettbewerber von DB Cargo im vergangenen Jahr ihren Marktanteil im deutschen Schienengüterverkehr auf 36 Prozent steigern konnten. 2014 lag er noch bei 33,6 Prozent, vor zehn Jahren erst bei 14,4 Prozent. Kerkeling: "Wir haben jetzt die 40-Milliarden-Tonnenkilometer-Schwelle überschritten. Das ist ungefähr so viel wie in Großbritannien und Österreich zusammen auf der Schiene gefahren wird."

Kerkeling stellte zugleich klar, dass die Wettbewerbsbahnen zwar im Einzelfall Verkehre übernehmen könnten, wenn sich die DB nun weiter zurückzieht: "Die hohe Kundenorientierung der Wettbewerbsbahnen ist unsere wesentliche Stärke im Markt. Allerdings können weder wir noch die DB unter den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spürbar mehr Verkehr auf die Schiene bringen."

Die Verkehrspolitik des Bundes habe 2015 erneut die eigenen Ziele verfehlt, denn der Lkw-Verkehr sei weiter und zwar überpropor¬tional, gewachsen. Auf der Schiene seien 2015 mit 114 Milliarden Tonnenkilometern (tkm) 17,3 Prozent des gesamten Güter¬verkehrsmarktes erbracht worden. Gegenüber 2014 stieg der Marktanteil damit um 0,2 Prozentpunkte. „Allerdings“, so Kerkeling, "ist der Straßengüterverkehr 2015, wie in jedem Jahr seit Kriegsende mit Ausnahme des Zeitraums von 2003 bis 2008 noch stärker gewachsen." Vergangenes Jahr stieg der Lkw-Anteil um 0,7 Prozentpunkte auf 71,7 Prozent, befeuert durch sinkende Maut und fast 40 Prozent niedrigere Dieselpreise als noch Ende 2012.

Unter dem Strich holte die Straße damit 2015 sogar mehr als das um acht Milliarden Tonnenkilometer angewachsene zusätzliche Marktvolumen auf Autobahnen und andere Straßen, nämlich 10,2 Mrd. tkm. Geschrumpft ist das Binnenschiff, während bei der Schiene immerhin 1,7 Mrd. tkm hinzukamen.

Kerkeling: "Es grenzt fast an ein Wunder, dass wir überhaupt noch leicht wachsen. Der Lkw übernahm sechsmal so viel neuen Verkehr wie die Schiene. Verkehrsverlagerung war anders gemeint." Vom EU-Ziel, 50 Prozent des Personen- und Güterverkehrs über mittlere Entfernungen zwischen Städten auf Eisenbahn und Schiffe zu verlagern, entferne sich Deutschland von Jahr zu Jahr weiter.

Bestürzt habe man nun auch noch zur Kenntnis genommen, dass innerhalb der Bundesregierung Überlegungen zur Streichung des 2002 vom Kabinett beschlossenen Verlagerungsziels in der "Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie" (25 Prozent Schienenanteil schon im Jahr 2015) angestellt würden. Kerkeling: "Es kann doch nicht sein, dass ein sinnvolles Ziel aufgegeben wird, weil man durch falsch gesetzte Rahmenbedingungen nicht dazu in der Lage war, es zu erreichen."