Studie der Kommission erstellt Prognose des Hafen-Hinterlandverkehrs bis 2030 - und zeigt erneut die Versäumnisse der Bundesregierung beim Ausbau der Schieneninfrastruktur

21.01.2011

Vorgestern hat die EU-Kommission eine Studie vorgestellt, die untersucht, wie der Verkehr der europäischen Häfen sich über die nächsten 20 Jahre entwickeln wird und wie die wichtigsten Häfen im europäischen Verkehr angebunden sind.

Auf dieser Grundlage, sowie weiteren innereuropäischen Faktoren (regionale Wirtschaftsentwicklung etc.) zeichnet die Studie ein relativ präzises Bild zu erwartender Verkehrsströme. Die Prognosen zeigen erhebliche Auswirkungen auf den deutschen Güterverkehr, welche die Versäumnisse der Bundesregierung beim Ausbau der Schieneninfrastruktur, insbesondere bei der Hafenanbindung, erneut in einem dramatischen Licht zeigen:

Die Studie schätzt, dass das Güterverkehrsaufkommen bis zum Jahre 2030 sich um 16,25% erhöhen wird. Während Rohstofftransporte (insb. Öl) zurückgehen werden, wird der Containerverkehr sich in diesem Zeitraum nahezu verdoppeln (das entspricht einem Zuwachs von 650 Mio t).

Die wichtigen Häfen werden weiterhin LeHavre, Rotterdam, Bremen und Hamburg sein. Tendenziell wird jedoch die Bedeutung der südeuropäischen Häfen zunehmen, auch in Abhängigkeit von Faktoren wie der regionalen Wirtschaftsentwicklung und der Hinterlandanbindung.

Aufgrund der expansiven wirtschaftlichen Entwicklung im Osten Europas wird dort ein zunehmender Teil des Güterverkehraufkommens generiert, so dass die Ostanbindung der westlichen Häfen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dieser Verkehr in Ost-West-Richtung könnte sich im Untersuchungszeitraum verdoppeln.

Der Güterumschlag in den Häfen hat direkte Auswirkungen auf den Hinterlandverkehr. Dies betrifft insbesondere die in der Mitte Europas gelegenen Länder, und hier insbesondere Deutschland (siehe beigefügte Grafik aus der Studie, S. 76).

Der Hinterlandverkehr wird weiterhin stattfinden auf Binnenwasserstraßen (insb. Frankreich, Niederlande und Westdeutschland), auf der Schiene sowie auf der Straße. Angesichts von Engpässen auf der Schiene sind aber insbesondere direkte Auswirkungen beim Straßentransport zu erwarten.

Das Fazit der Studie: Der Anstieg des Verkehrsvolumens wird kommen, er wird erhebliche Auswirkungen auf den Hinterlandverkehr haben, und in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren (Anbindung u.a.) wird es zu einer regionalen Verschiebung der Bedeutung von Häfen kommen. Es ist die Aufgabe nationaler und europäischer Verkehrspolitik, diesen Herausforderungen zu begegnen.