Zahl des Tages: 30,3 - Geschätzter Transportkostenanteil an einem Produkt

01.11.2021

             

Der Anteil der Transportkosten am Gesamtpreis von Konsumgütern (Produkten des täglichen Bedarfs) wird durchschnittlich mit einem Wert zwischen 2 und 5 % angegeben. Der genaue Wert bleibt dabei allerdings ein wohl gehütetes Geschäftsgeheimnis und Gegenstand harter Verhandlungen mit den Logistikdienstleistern. Eine vom NEE beauftragte repräsentative Umfrage des Instituts Kantar ergab, dass die Befragten die Kosten des Transports massiv überschätzen: Im Durchschnitt schätzten sie, dass 30,3 % der Gesamtkosten auf den Transport entfallen. Um im Beispiel zu bleiben: Bei einem Kilo Bio-Äpfel zum Supermarktpreis von 2,99 Euro geht es nicht um 90 Cent, sondern um 6 bis 15 Cent.

Transportkosten sind ein Bestandteil der Logistikkosten und bezeichnen die exakten Kosten, die beim Transport einer Ware entstehen. Je nach Unternehmen und Fahrzeug können Transportkosten sehr unterschiedlich sein, dabei haben u.a. Distanz, Mautgebühren, Energiekosten, Menge und Gewicht sowie Personalkosten einen Einfluss. Die Produktart spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle: Als kostenintensiv gelten bisher z.B. der Hoch- und Tiefbau, Steine und Erden, die Bearbeitung von Holz sowie landwirtschaftliche Produkte. Insbesondere beim Transport von schweren Gütern und auf längeren Distanzen ist die Schiene bereits heute durch den Bündelungseffekt günstiger als der Lkw.

Der Preis ist noch immer der wichtigste Faktor für die verladende Wirtschaft. Minimale Preisunterschiede geben den Ausschlag bei der Wahl sowohl von Transportmittel als auch -unternehmen. Während Konsument:innen höhere Transportpreise kaum bemerken würden, lehnen die Verlader höhere Kosten rundweg ab. Kostenwahrheit ist aber unerlässlich. Nur wenn heutige Kostenvorteile des Lkw durch Subventionen, unterschiedliche Sozialstandards, fehlende Kontrollen und ungedeckte Umweltkosten beendet werden, wird umweltverträglicher Transport Alltagsrealität. Die Veränderungen müssen berechenbar und sozialverträglich sein. Dass Unternehmen, die auf der Schiene statt auf der Straße transportieren, für einen begrenzten Zeitraum eine finanzielle Unterstützung pro Sendung erhalten, bewerten dementsprechend 73 % der Umfrageteilnehmer:innen als die für die Verkehrsverlagerung geeignetste Maßnahme.

Für eine Verkehrswende müssen Politik und Wirtschaft das bestehende Transport- und Logistikmanagement, das bislang auf den Lkw ausgerichtet ist, umkrempeln. Neue Gewerbegebiete müssen mit Gleisanschlüssen geplant und gebaut werden, der Schienengüterverkehr benötigt attraktive Trassen mit wenigen Betriebshalten im Netz und Terminaleinrichtungen zum Güterumschlag müssen nicht nur standardisiert werden, sondern auch in ausreichender Anzahl und nah zur Verfügung stehen. Durch die Bündelung von Gütern und dementsprechend hoher Auslastung wird die Schiene dann immer häufiger und auch auf kürzeren Distanzen günstiger sein als der Lkw.

Weitere Äpfel und ein Best Case Szenario für den Schienengüterverkehr im Jahr 2030 gibt es hier.

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Pressekontakt: Daniela Morling, mobil: + 49 151 555 081 83, E-Mail: morling@netzwerk-bahnen.de

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