Güterverkehr: die wesentlichen Stellschrauben sind politischer Natur

Je einen Vertreter der Bundespolitik, von der Seite der Verlader und der Bahnunternehmen hatten die Veranstalter des Parlamentarischen Abends für die Diskussion der Ergebnisse gewonnen. Das Interesse an mehr Transporten auf der Schiene ist bei vielen Verladern vorhanden, die Wettbewerbsbahnen reagieren flexibel auf diese Signale und die Politik fördert und mahnt zugleich.

Auf die Frage nach den drei wichtigsten verkehrspolitischen Aufgaben, wenn Bündnis 90/Die Grünen einer künftigen Bundesregierung angehören sollten, äußerte sich Matthias Gastel als verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion zunächst einmal zu den Wahlchancen der eigenen Partei: „Wir gehen davon aus, dass das schon in zwei Jahren der Fall sein wird!“ und ergänzte bündig: Den Ausbau der Schieneninfrastruktur gerade auch für den Güterverkehr müsse man verstärken, das Problem der hohen und steigenden Trassenpreise angehen und die Wettbewerbsverzerrungen vor allem gegenüber der Straße abbauen. Er mahnte zugleich, dass das Lärmproblem des Schienengüterverkehrs endlich gelöst werden müsse, da ansonsten die Akzeptanz sowohl an den vorhandenen Strecken als auch bei Neu- und Ausbauvorhaben dauerhaft leide. Geschwindigkeitsbeschränkungen auf der Schiene ließen sich, anders als Fahrverbote für nicht umgerüstete Güterzüge, nicht umsetzen. Letzteres müsse angedroht werden, um die Umrüstung zu beschleunigen, und notfalls auch durchgesetzt werden. Das im geltenden Koalitionsvertrag notierte Quorum von 50 % mit leisen Bremsen ausgerüsteter Güterwagen Ende 2016 werde aber „so sicher wie das Amen in der Kirche“ verfehlt, so dass es sicher zu Debatten um die für diesen Fall angedrohten Fahrbeschränkungen kommen werde.

Henrik Würdemann, CEO von Captrain bestätigte weiteres Wachstumspotenzial des Schienengüterverkehrs. An die Politik wandte sich Würdemann mit der Mahnung, dass vor allem die benötigte Infrastruktur und die kostenwirksamen staatlichen Rahmenbedingungen darüber entscheiden, wie viel Verkehr auf der Schiene gefahren werden könne. Die Analyse deckte sich in weiten Teilen mit den Handlungsfeldern, die Matthias Gastel zuvor schon angeschnitten hatte – ein schnellerer Ausbau der Knoten und der Hauptabfuhrstrecken sei dringend erforderlich, Behinderungen durch Baustellen müssten dringend minimiert werden. Die Bahnunternehmen machten wie gefordert ihre Hausaufgaben und verbesserten ihr Angebot, was den Ladungszuwachs bei den Wettbewerbsbahnen erkläre. Auch beim Thema Lärm äußerte sich Würdemann pointiert zur Forderung nach Nachtfahrverboten: „Es ist illusionär, diese Verkehre in die Tagstunden oder auf gänzlich andere Strecken zu verlagern. Die finden dann schlicht nicht mehr statt.“

Aus der Perspektive eines großen Verladers im Güterverkehr bestätigte Alexander Bartelt, Abteilungsleiter Klimaschutz und Nachhaltige Produkte der Otto Group aus Hamburg das große Interesse an mehr Verkehr auf der Schiene und verwies auf die Initiativen seines Hauses, Transporte selbst aus Fernost vom Seeschiff und Flugzeug auf die Schiene zu verlagern – mehr als 10.000 TEU pro Jahr machen alleine die Lieferungen für die Eigen- und Lizenzmarken der deutschen Otto Group aus. Der Transport per Flugzeug sei schon aus Kostengründen zu minimieren, die Schiene könne grundsätzlich mit deutlich kürzeren Transportzeiten im Vergleich zum Seeschiff punkten. Wesentlicher Treiber des Engagements seien die Klimaschutzziele der Gruppe, die ohne Veränderungen im Transport unerreichbar seien. Aber auch im Hinterlandverkehr ab den Seehäfen wie Hamburg sei man aktiv geworden – Verkehre in süddeutsche Lager seien schon heute auf der Schiene, während es z.B. nach Haldensleben in der Nähe Magdeburgs bisher noch zu 99 Prozent über die Straße laufe. Preislich attestierte Bartelt der Schiene in der Regel konkurrenzfähig zu sein, geringere Flexibilität und längere Laufzeiten der Verkehre seien jedoch noch ein bedeutsames Problem.

Eine Bildergalerie zum Parlamentarischen Abend sowie die Möglichkeit, die Präsentationen zu den Vorträgen herunterzuladen, finden Sie hier.


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